Man könnte meinen, dass jeder, der im Landkreis einen klaren Satz sprechen kann, am 2. März Landrat werden will. Sieben Kandidaten bewerben sich, so viele wie noch nie. Die Redaktion stellt sie vor; Folge 2: Fabian von Xylander (SPD)
Dietramszell - Es ist seit vielen Jahren der Kampf David gegen Goliath: Fabian von Xylander von der SPD gegen CSU-Landrat und CSU-Mehrheit im Kreistag. Zwar ist es dem 47-jährigen Dietramszeller Oppositionspolitiker oft gelungen, Landrat Manfred Nagler und dessen Fraktion bis aufs Blut zu reizen, die Abstimmungserfolge lassen sich aber an einer Hand abzählen - auch wenn Xylander niemals einfach mäkelt, sondern immer auch eine Lösung anbietet. Der konfliktbewährte Intelektuelle steht für Meinungsvielfalt. Jetzt versucht er zum dritten Mal, der CSU den Landratsposten abzuluchsen - mit besseren Chancen als je zuvor, wie er frohgemut sagt.
Denn die CSU sei durch den DTK-Skandal angeschlagen, deren Mehrheit dieses Mal zu knacken, glaubt der Vater zweier Kinder, der seit gut einem Jahr im Abgeordnetenbüro des Kochlers Klaus Barthel arbeitet und dafür allwöchentlich zwischen Erlach und Berlin pendelt. "Das sind jeweils fünfeinhalb Stunden Zugfahrt, in denen ich wunderbar arbeiten kann", sagt der Jurist und Volkswirt.
Xylander ist nicht die einzige Opposition im Kreistag, aber die lauteste. Während Grünen-Kollege Klaus Koch, wann immer er den Finger in die (CSU-)Wunde legt, auch gleich dazu ein Pflaster reicht, redet der gebürtige Münchener Xylander Klartext. Die Gegenseite reagiert darauf oft beleidigt, was der SPD-Sprecher mit Kopfschütteln quittiert: "Demokratie lebt vom Konflikt. Und warum darf der nicht pointiert und zugespitzt ausgetragen werden?"
Die "fehlende Streitkultur" erklärt sich der Chef der zweitgrößten Fraktion mit der "Arroganz von 36 Jahren Alleinherrschaft". Die bevorstehende Wahl biete Gelegenheit, Bilanz zu ziehen. Und da sieht Xylander große Unterschiede zwischen der "gefühlten Realität" und der tatsächlichen: Ob es nun um die Wirtschaftskraft geht, um die steuerliche Leistungsfähigkeit oder um Familienfreundlichkeit - die amtlichen Statistiken weisen Bad Tölz - Wolfratshausen schlechte Plätze zu. Xylander:"Die Bilanz von zwölf Jahren ist nicht nur wegen des DTK-Debakels niederschmetternd".
Wer die Wahlkampf-Thesen der SPD liest, erlebt ein Déjà-Vu. Zwischen 2002 und 2008 gibt´s kaum Unterschiede: Ein besserer Nahverkehr, MVV im ganzen Landkreis, eine nachhaltige Umwelt- und Wirtschaftspolitik sowie ein verstärktes Augenmerk auf Familienfreundlichkeit und Schulen. "Für manche Themen ist der Landkreis zwar nicht zuständig, aber als Landrat kann man die Dinge durchaus voranbringen."
Mit der Erfahrung von 24 Jahren Gemeinde- und 18 Jahren Kreisrat, nach drei Landrats- und zwei Landtags-Kandidaturen, acht Jahren im SPD-Bundesparteirat und sechs Jahren im SPD-Landesvorstand sei er die "einzige inhaltliche Alternative", sagt er und erklärt so sein Wahlmotto: "Den Neuanfang wählen." (JOACHIM BRAUN)
Quelle: Isar-Loisachbote, 15.02.2008